Ostseeradweg

Touren mit Pino, Tandem, Normalrad und Transportfragen mit Bahn, Auto, Flieger

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Silber
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Ostseeradweg

Beitragvon Silber » Do Okt 15, 2015 1:46 pm

Nachdem die diesjährige geplante Frühjahrstour mit dem Pino buchstäblich ins Wasser fiel versprach der Wetterbericht für den Herbst eine angenehme Tour. Ein angesagtes stabiles Hochdruckgebiet für Ende September/Anfang Oktober über Nordeuropa veranlasste uns, die schon mehrfach ins Auge gefasste Tour an der Ostsee zu unternehmen. Die Wahl der Anreise fiel auf das Auto. Die Übernachtungen werden von Tag zu Tag geplant, je nach Wetterlage und nach Tourenlänge.

1. Tag: Fahrt in den Kreis Herzogtum Lauenburg an den Ratzeburger See, nachmittags Tretlager einbauen und sonstige lockere Teile, die für den Transport abmontiert waren wieder ranschrauben. Kurze Versuchsfahrt am See. Übernachtung in einem urigen Hotel mit Reetdach.

2. Tag: : Akklimatisieren: Fahrt rund um den Ratzeburger See und anschliessend nach Lübeck zum Kaffetrinken. Das Pino funktioniert. Die Gegend ist erstaunlich hügelig. Da wir bisher in Deutschlands Norden nur an der Nordsee waren, aber noch nie an der Ostsee haben wir zwar mit Gegenwind gerechnet, aber nicht mit Bergen. Die Landschaft ist aber super.
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3. Tag: Fahrt an die Ostsee: Bei Schönberg überfahren wir ein Radweg-Schild und merken es erst nach 10 km, dass wir zu weit nach Osten abkommen, also zurück und den richtigen weg nach Nordosten. Durch ein sehr schönes Naturschutzgebiet mit Graswegen, aber gut befahrbar, dann eine Schikane an einer Holzbrücke, die so eng ist, dass eine Pino oder ein Fahrad mit Anhäger nicht durchkommt, also Pino komplett entladen und über die Sperren drüberhieven, zum Glück sind wir zu zweit. Mittags erreichen wir die Ostsee, es ist kühl, aber sonnig, das erste was wir am Meer sehen ist ein toller Sandstrand.
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Der Radweg verläuft zuerst total eben, gegen Nachmittag kommen mehrere kurze, aber heftige Steigungen. Übernachung in Boltenhagen

4. Tag: Fahrt nach Kühlungsborn. Über Wismar hängt eine Dunstglocke (wegen der rauchenden Kamine?), ringsum , aber weiter weg scheint die Sonne -> schnell durch und weiter. Danach ein Stück entlang einer Bundestrasse, dann wieder Radwege und kaum befahrene Wirtschaftswege.
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Silber
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Ostseeradweg Teil2

Beitragvon Silber » Do Okt 15, 2015 1:53 pm

5. Tag: Fahrt auf den Darß nach Prerow. Wir haben eine Pension am Stadtrand erwischt un gehen Abends eine dreiviertel Stunde zum Zentrum. Der Strand ist phantastisch, leider ist es kalt und wird Nacht. Entschädigt werden wir durch ein super Abendessen.
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6. Tag: Fahrt nach Stralsund entlang des Barther Bodden. Der Radweg und die Landschaft sind super. Es sind kaum Menschen unterwegs, warscheinlich weil es in dieser Gegend keine größeren Seebäder gibt und sich der Tourismus auf Rügen konzentriert?
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7. Tag: Stralsund zu Fuss (Pino bleibt im Stall): im Hafen liegt die Gorch Fock! Ich dachte, die liegt in Kiel oder fährt auf dem Ozean rum? Aha, die Gorch Fock gibt es zweimal, Gorch Fock I liegt immer in Stralsund am Kai, Gorch Fock II ist das Segelschulschiff der Bundesmarine. Ozeaneum besichtigen, danach rumspazieren, Kaffetrinken usw. (neudeutsch chillen)

8. Tag: von Greifswald nach Usedom. Nachdem beim Frühstück mehrere andere Radfahrer waren und über die schwierigen, bzw. nicht vorhanenden Radwege auf Rügen berichtet haben, beschliessen wir weiterzufahren und Rügen auszulassen. Zuerst mit dem Zug nach Greifswald, da der Radweg zwischen Stralsund und Greifswald über mehrere 10er-Kilometer auf denkmalgeschützem Kopfsteinpflaster führt, dann mit den Pino (und dem Schiff) nach Zinnowitz. Super Radstrecke. Zuerst sehr nebelig, später aber sonnig.

9. Tag: Ausflug nach Swinoujscie: Hier auf Usedom reiht sich Seebad an Seebad. Es ist für den Herbst erstaunlich viel los, auch sehr viele Radfahrer.

10. Tag: Ausflug nach Peenemünde. Der gewählte Usedomer Radrundweg ist überhaupt nicht beschildert, ohne GPS wäre es schwierig. Um Peenemünde ist noch alles voll mit Ruinen aus dem dritten Reich, auf dem Museeumsglände steht eine A4-Rakete (V2). Der Radweg ist sehr schön, aber:
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11. Tag: Mit dem Zug nach Ferdinandshof, danach mit dem Pino nach Pasewalk. Der Radweg führt in weiten Bereichen entlang einer Bundesstrasse durch Truppenübungsplätze entlang von mehreren Kassernen. Pasewalk sieht man bis heute die Zerstörungen im 2ten Weltkrieg an. Viele (teils leerstehende) Plattenbauten.

Letzter Tag: Mit dem Zug zurück zum Auto. Morgens gleich eine Panne, die hintere Kette hat sich im Zahnkranz verklemmt. Der Radladen hilft, der Zahnkranz hatte sich gelockert (keine Ahnung wie das geht). Der Zug ist aber weg, bei der jetzt verfügbaren Verbindung müssen wir dreimal umsteigen, der Zugführer im letzten Zug meckert wegen des Pinos, es steht im Weg, also komplett entladen und um die enge Kante auf den Radabstellplatz. Als wir aussteigen wollen kommen wir kaum raus. In Lübeck regnet es. Fahrt zum Auto, Tretlager rausbauen und Gepäck und Pino verladen. Wir sind klatschnass. Ab an die Nordsee, bei den Freunden wartet eine warme Dusche und ein Abendessen.

Fazit: eine gute und landschaftlich beeindrucktende Tour. Die Radwege sind teilweise dürftig oder gar nicht beschildert, Landkarten und/oder ein GPS sind zwingend. Die Landschaft ist sehr schön, aber in weiten Bereichen hügelig, oft mit kurzen und steilen Anstiegen und Abfahrten. Die Unterkünfte waren auch Anfang Oktober oft ausgebucht, an manchen Tagen mussten wir oft fünf bis sechsmal telefonieren, bis wir eine Übernachtungsmöglichkeit hatten. Es gibt zwar viele Ferienwohnungen und Pensionen, die sind aber eher an längerfristigen Aufenthalten interessiert. In der Hauptsaison dürfte die Übernachtung ohne frühzeitige Vorbuchung sehr schwierig werden.

SilBer

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Re: Ostseeradweg

Beitragvon Radfux » Do Okt 15, 2015 10:04 pm

Hallo Bernd,
SUPER Tourenbericht - erste Klasse. Ich könnte noch ein paar Bilder von unserer Tour letztes Jahr von Berlin gen Ostsee bis Rostock/Warnemünde, und dann entlang der Küste bis Usedom beisteuern, aber Dein Bericht und die Fotos sind bereits spitze.

Und ja, das habt ihr gut gemacht am Tag 8... :mrgreen:
Wir haben in Stralsund nach einer langen Rast so um die 15Uhr noch überlegt, was wir mit dem angebrochenen Tag machen (Stadt hatten wir just zwei Jahre vorher schon ausgiebig erkundet), und sind dann auf die blöde Idee zu kommen, noch ein Stück weiterzufahren :roll:
Nach gut und gern 50-60km ununterbrochener Schüttelstrecke auf gröbstem Kopfsteinpflaster und mit Gegenwind, und keinerlei Unterkunft unterwegs, sind wir dann mit komplett durchgerüttelten Knochen und nervösen Zuckungen in allen Gliedern, völlig am Ende unserer Kräfte nach 120km Tagesstrecke erst um neun Uhr abends in Greifswald angekommen :evil:
Diese Fahrt konnte ich dann nur noch mit Störtebecker Dunkel Doppelbock Spezial vergessen, damit sie mich nicht mehr nachts den bitter benötigten Schlaf raubte... :shock:

Gruß, Stefan

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Re: Ostseeradweg

Beitragvon Steini » Sa Okt 17, 2015 8:22 pm

Hallo Silke und Bernd,

super Tour, super Bericht, Danke und unser Neid ist Euch gewiss! Die Gegend um Lübeck/Ratzeburg/Wismar ist ja für uns auch ein Heimspiel, da wir jedes Jahr bei den Schwiegereltern dort das Pino auspacken.
Dieses elende Drängelgitter bei Schönberg!!! Da bin ich auch schon mit Ida gestrandet und konnte von Glück sagen, daß zufällig jemand vorbeikam, der mir beim "Pino über das Gitter hieven" geholfen hat. Der hat dann auch gleich ein Foto gemacht. :

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Mein Brief an den Bürgermeister war im Schlaf schon fertig, immerhin ist das ein offizieller Bahntrassenradweg!!

Fröhliche Grüße aus Ulm

Jochen und die Mädels


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