Kennt ihr auch Pino-ähnliche Tandems anderer Hersteller?

Es gibt wirklich noch andere Räder als Pinos??? Ja!

Moderator: Wildcate

Gast

Kennt ihr auch Pino-ähnliche Tandems anderer Hersteller?

Beitragvon Gast » Do Okt 26, 2006 9:47 am

Hallo!

Für eine Beratungsstelle im Behindertenbereich frage ich euch:
Kennt ihr außer dem Pino noch andere, vergleichbare Tandems anderer Hersteller?

Ein Sitz-Liege-Tandem dürfte bei vielen Behinderungen besser als ein gewöhnliches Behinderten-Tandem passen, dazu wird die Qualität meistens auch besser sein. Das Gewicht ist bei Personen, die oft nicht sehr viel Kraft beim Treten aufbringen können, ein weiterer wichtiger Punkt.
Für manche wird sich auch die Frage stellen, ob es unbedingt ein Tandem in der Qualitäts- und Preisklasse des Pino sein muss, wenn sie ihr Tandem nur zu kurzen Ausflügen benützen.

Um individuell beraten zu können, frage ich euch, ob ihr noch andere Hersteller kennt, vielleicht passt ja jemandem ein Tandem eines anderen Herstellers etwas besser!

(Wir selbst (meine beiden jüngeren Kinder und ich) fahren übrigens ein selbst zum Behindertentandem umgebautes Zweipluszwei.)

liebe Grüße!
georg

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Beitragvon jodi2 » Do Okt 26, 2006 11:13 am

Hola Georg,

sorry für die Umstände mit dem Code, ist leider nötig geworden...

Ich bin kein Experte für behindertengeeignete Räder, aber spontan fällt mir Hoenig mit dem Rollfiets/Duet ein, hier gabs schonmal was dazu:
viewtopic.php?t=11

Bei Hoenig gibt's es noch einige behindertengeeignete Modelle, am besten mal Durchblättern. Preise kenne ich selbst allerdings bisher nicht.

Die Wünsche "leicht", "behindertengeeignet", "Qualität" und "preiswert" in einem Tandem unter einen Hut zu bekommen, halte ich allerdings für schwierig.
Das Rollfiets ist mit Sicherheit deutlich schwerer und langsamer als ein Pino, aber ein Pino ist je nach Behinderungsgrad sicher weniger behindertengeeignet als das Rollfiets.
Und ja, das Pino ist nicht billig, aber meines wissens noch kein Vergleich zu speziellen Behindertfahrzeugen oder -umbauten, aber da weißt Du sicher mehr.

Als preisliche Alternative fällt mir spontan nur bei genug Fähigkeiten dazu Selberbauen ein oder auf den seltenen Fall eines günstigen gebrauchten Pinos/Pino1 zu warten...

Besten Gruß
Jo

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Beitragvon Wildcate » Do Okt 26, 2006 12:00 pm

Hallo Georg,

grundsätzlich sind Tandems, wie du sicher schon festgestellt hast, teuerer als zwei Einzelräder vergleichbarer Qualität. Beim Pino oder vergleichbaren Stufentandems kommt dann noch der "Exotenaufschlag" drauf, wie auch bei Liegerädern. Und völlig abgesehen von behindertengeeignet oder nicht läßt sich grundsätzlich nur auf zwei der drei Punkte Preis, Gewicht und Funktionalität optimieren.

Auch wenn das Pino einige Meckerpunkte hat, die du beim Stöbern in diesem Forum sicher finden wirst oder schon gefunden hast, gibt es meiner Einschätzung nach keine gleichgute oder bessere Alternative in Sachen Stufentandem. Ob das Pino als Anschaffung auch für kurze Ausflüge in Frage kommt, hängt schlicht und einfach davon ab, ob den Betreffenden die Vorteile des Pino so gut gefallen, daß es ihnen den Mehrpreis wert ist. Wobei auch ein 2+2, wie ich gerade auf der Website nachgelesen habe, nicht so billig ist - mal ganz abgesehen von z.B. einem Santana.

Um die Frage nach der gewünschten Preisklasse für eine Anschaffung zu beantworten, hilft eigentlich nur die klassische Empfehlung: probefahren, probefahren, probefahren; und zwar Tandems unterschiedlicher Preisklassen und Arten, und die zuerst probierten später (mit etwas mehr Tandemerfahrung) nochmals testen. Eventuell auch für ein, zwei Wochenenden ein Tandem ausleihen und probefahren. Dann erst entscheiden. Sollte das nicht gehen (z.B. wegen einem notwendigen Umbau wg. Behinderung), ist vielleicht hilfreich, wenn zumindest der Käptn mit einem Ersatzstoker vergleichbarer Größe, Statur und Kraft probefährt. Allerdings würde ich mindestens zu einer Probefahrt des endgültigen Teams raten, wenn irgend möglich - vielleicht bei Bekannten mit entsprechendem Umbau. Denn was wäre schlimmer, als wenn auf die Investition in ein speziell umgebautes Tandem nur bittere Enttäuschung folgt...

Liebe Grüße,
Kati

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Re: Kennt ihr auch Pino-ähnliche Tandems anderer Hersteller?

Beitragvon KUHmax » Fr Okt 27, 2006 6:10 am

Hallo Georg,

leider muss ich, was en Preis angeht, in die gleiche Kerbe hauen wie meine Vorschreiber.
Gast hat geschrieben:Für manche wird sich auch die Frage stellen, ob es unbedingt ein Tandem in der Qualitäts- und Preisklasse des Pino sein muss, wenn sie ihr Tandem nur zu kurzen Ausflügen benützen.


Bei so etwas stellt sich mir immer die Frage, ob diese Menschen auch mit einem Fiat Panda zufireden sind, wenn als notwendiges und sinnvolles Modell sich ein Mercedes Van herausgestellt hat. Sorry für die böse Bemerkung, aber im Verhältnis zum absoluten Preis ist die Nutzungshäufigkeit des Autos zumindestens in der Stadt oft auch nicht höher, als die Nutzungshäufigkeit des Fahrrades.

Gast hat geschrieben:Um individuell beraten zu können, frage ich euch, ob ihr noch andere Hersteller kennt, vielleicht passt ja jemandem ein Tandem eines anderen Herstellers etwas besser!


Anderer Hersteller nicht, aber eine Möglichkeit für ein auch bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht kippgefährdetes Tandem bieten zwei Kettwiesel von Hase aneinander gehängt. Das ist aber wirklich ausschließlich in Richtung Kippsicherheit optimiert, da zwei Kettwiesel sicher teurer sind als ein Pino, dafür lässt sich jedes Teil auch einzeln fahren, auch von einem Menschen, der nur motorisch behindert ist.

Im übrigen bietet Hase auch Unterstützung bei der Argumentation, warum ein Hase-Fahrrad notwendig ist zur Rehabilitation, so dass man noch den Versuch starten kann, Zuschüsse von der Krankenkasse zu erhalten. Damit werden Hase-Fahrräder durchaus günstiger als so manches Billigangebot.

Viele Grüße, Karin
Ohne Auto lebt sichs einfacher

Gast

Beitragvon Gast » Fr Okt 27, 2006 2:24 pm

Hallo!

Danke euch für die schnellen und kompetenten Antworten!

Mit meiner Frage nach eventuellen billigeren Alternativen will ich auf keinen Fall meckern. Als alter Radfreak, der schon mehrere (v.a. Touren-) Räder aufgebaut hat, weiß ich, dass Qualität einfach kostet. Es hätte ja sein können, dass ein anderer Anbieter etwas Günstigeres hat.

Meine Idee, ein normales Tandem als Behindertentandem umzubauen ist entstanden, als ich gesehen habe, was vor ein paar Jahren (als ich unser Tandem designt habe) unter dem Titel "Therapie-Tandem" angeboten wurde: Tandems, die rein unter dem Blickwinkel der Therapie entwickelt wurden und zu ihrem sehr hohen Gewicht großteils weder vernünftige Bremsen noch eine für den Tandembetrieb brauchbare Schaltung hatten.
Damit im Alltag das ganze Jahr die Wege zu erledigen (bei uns alleine schon 60km/Woche Schul- und Kindergartenweg mit dem Tandem, im Winter mit Winterreifen mit Spikes) halte ich für durchschnittlich bemuskelte Personen wie mich für ausgeschlossen.
Dazu wurden zumindestens damals Behinderten-Tandems nicht mit Kinder-Tretlager angeboten, das Tandem musste also nach ein paar Jahren gegen ein gleich teures Erwachsenen-Tandem ausgetauscht werden. Auch das hindert potentielle Kunden am Kauf.

Inzwischen habe ich viele Familien kennengelernt, deren behinderte Kinder ein Tandem auch sehr gut als lustbetonte Therapie im Alltag einsetzen können. Bei vielen Behinderten wie auch bei meinem betroffenen Kind genügt eine Lehne mit Gurt, um sicheren Halt zu finden. Die Stufentandems hätten hier den Vorteil, dass die Lehne schon vorhanden ist, ein Gurt ließe sich mit sehr wenig Aufwand montieren. Damit würden sich die Eltern das mühsame Herstellen einer Lehne mit Halterung ersparen. Durch die aufrechte Haltung des Captains dürfte auch das Losfahren und Stehenbleiben mit einem Stoker, der nicht mithelfen kann, deutlich leichter sein als bei einem doppelten Liegetandem.

In Österreich haben wir leider das Problem, dass so etwas wie ein Behinderten-Tandem weder gefördert noch steuerlich abgesetzt werden kann. Selbst bei Rollstühlen (ohne die sich jemand mit Querschnittlähmung wirklich nicht fortbewegen kann!) gibt es immer wieder große Schwierigkeiten. So konnte ich nicht einmal die Teile für den Umbau des Tandems zum Behinderten-Tandem absetzen. Deshalb sind diese Fahrzeuge wirklich sehr teuer und werden (leider!) entsprechend selten gekauft.

Falls jemandem noch andere Hinweise einfallen: Ich freue mich schon drauf!

lg! georg

Karsten
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Beitragvon Karsten » Fr Okt 27, 2006 4:04 pm

Hallo Georg,

wir haben auch nach einer Alternative zum Pino gesucht, und keine (wirkliche) gefunden. Es gabe zwei drei Hersteller die Ähnliche Räder hergestellt haben, z.B. Heydenreich Atlas von Heylight (Produktion eingestellt) vor kurzer Zeit wurde bei Ebay eins verkauft für ca. 1000 Euro.
Im Moment gibt es anscheinend nur einen weiteren Hersteller(ich habe keinen anderen gefunden), Wolf aus Speyer, das Rad scheint auch etwas günstiger, aber es ist nur eine mini Serie ohne Händlernetz usw.

Gruß
Karsten

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Beitragvon jodi2 » Fr Okt 27, 2006 5:04 pm

Georg, für eine leichte Person und/oder jemand mit einer leichten Behinderung scheint mir das Pino sehr geeignet. Der teure Spezialständer ist dann Pflicht, aber damit kann man dann wirklich erst in aller Ruhe seine "Last" aufladen, festschnallen, gemütlich selber aufsteigen und bei ausgeklapptem Ständer losfahren! Außerdem ist ein Gurt vorne kein Problem, kann man selber machen oder auch von Hase nehmen (vermutlich wieder hübsch teuer, aber vielleicht besser). Es gibt glaub ich auch so Art "Baggerschaufeln" für vorne zum Füße stabil draufsetzen, als Alternative zu SPD-Klicks.
Das es ein Kindertretlager gibt, weißt Du ja scheinbar schon.

Ich war nur skeptisch beim Pino als reinem Behindertenfahrzeug bei jemand mit hohem Behinderungsgrad, denn man vielleicht erst auf den (beim Pino relativ hohen) Vordersitz heben muß und der dann vielleicht noch zwei Zenter wiegt, das geht wohl kaum und dafür ist das Pino glaub ich auch weniger gedacht. Und wenn man dann bei der Pause erst noch in den Rollstuhl umheben muß, da ist z.B. gleich ein (vermutlich bleischweres und langsames) Hoenig Rollfiets sicher besser.

Für leichte Behinderung oder Kinder ist das Pino dagegen ideal!

>im Winter mit Winterreifen mit Spikes

Apropos, diesen Winter will Schwalbe endlich einen 20 Zoll Spike rausbringen... ;-)

>Durch die aufrechte Haltung des Captains dürfte auch das Losfahren und Stehenbleiben mit einem Stoker, der nicht mithelfen kann, deutlich leichter sein als bei einem doppelten Liegetandem.

Da muß man eigentlich nur die Füße rausstellen, das ist nicht das Problem. Dafür hat man aber nicht den Pinofahrspaß, daß beide volle Sicht haben, der Beifahrer hinten sieht nur einen hübschen Rücken und zur Seite. Dafür haben beide Liegerkomfort, wenn man den sucht. Dafür sind die Dinger ewig lang. Und billiger als ein Pino wird's auf keinen Fall.

Karsten hat geschrieben:Im Moment gibt es anscheinend nur einen weiteren Hersteller(ich habe keinen anderen gefunden), Wolf aus Speyer, das Rad scheint auch etwas günstiger, aber es ist nur eine mini Serie ohne Händlernetz usw.

Außerdem ist das ein umgekehrtes Pino, der Beifahrer sitzt hinten auf Normalradposition, der Fahrer ist vorne im Liegesitz und steuert. Das ist für Georgs Zwecke wohl nichts.

Grüßle
Jo

Gast

Beitragvon Gast » So Okt 29, 2006 11:12 am

Hallo!

Dank euch noch einmal!
Auch, dass ich meine Vermutungen über das Pino bestätigt bekomme, ist eine wichtige Rückmeldung, die ich gerne weitergebe. (Für uns selbst ist ein Pino ja nicht aktuell, unser 2+2 fährt und fährt und fährt, auch über Wurzeln und Schlaglöcher....)

Wenn jemand persönliche Erfahrungen mit einem Pino braucht, schicke ich ihn zu euch, ihr seid wirklich hilfsbereite, kompetente und nette Leute!
(Und wenn jemand Infos über Radtourenfahren in Slowenien braucht, reicht ein mail an mich: georg.faber(ät)utanet.at . Dort treibe ich mich, wenn mich meine Familie entbehren kann, recht gerne mit dem Rad herum, ist ja auch sozusagen hinter der Haustüre.)

liebe Grüße!
georg


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